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«MAUERWERK ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE»

08.03.2018

Viele Trümpfe für den Backstein

Am 8. März 2018 lud die AGZ Ziegeleien AG ins Granolissimo nach Sursee zu ihrer ersten Mauerwerkstagung zum Thema „Mauerwerk zwischen Tradition und Moderne“. Über 70 Architekten, Ingenieure und Unternehmer leisteten der Einladung Folge und signalisierten mit ihrem Engagement die Wichtigkeit des Backsteins in der heutigen Zeit.

Obwohl der Backstein als Baumaterial über Jahrtausende eine wichtige Bedeutung einnimmt und die Baukultur von vielen Ländern und Religionen prägt, spielt er heutzutage meistens seine tragende Rolle nur im Verborgenen – da verputzt. Dass der Backstein aber mehr kann, als tragende Stütze zu sein, wurde an der ersten Mauerwerkstagung der AGZ Ziegeleien AG mit namhaften Referenten aus Digitalisierung, Forschung, Architektur und Lehre mehrfach unterstrichen.

Fünf Referate, fünf Visionen, viel Know-how
Paul Curschellas, CIO buildup AG, Zürich, legte mit seinem Referat das Grundgerüst des Nachmittags und zeigte auf, wie das digitale Bauen die etablierten Rollen und Prozesse verändert. „Das Bauen ist lokal, die Digitalisierung aber international“, so Curschellas, und dieser Herausforderung müsse man sich stellen. Das digitale Planen und Bauen sei eine Art und Weise des Prozesses, in dem schon sehr früh im Planungsprozess Kompetenzen und Wissen hinzugezogen werden müssen.
Welche Eigenschaften, Vor- und Nachteile die verschiedenen Arten von Mauerwerk haben, zeigte Philippe Capeder, Leiter Prüflabor p+f Sursee, auf. Das Mauerwerk biete in seiner ganzen Vielfalt Lösungen für die Schall- und Wärmedämmung und entwickle sich immer weiter, um auch den heutigen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.
Die Leuenberger Architekten aus Sursee, Christian Stofer, Vorsitzender der Geschäftsleitung, und Tobias Künzle, Bereichsleitung Architektur, hielten ein flammendes Plädoyer für den Backstein, der Qualität, Effizienz und Präzision vereine. Durch die moderne Technik sei es heute möglich, wieder tektonische Fügungen zu zeigen, die nicht nur tragend, sondern auch ästhetisch von der Form, Struktur oder Farbigkeit her wirkten.
Dass Backstein auch in Zeiten der Energieeffizienz und der CO2-Diskussion ganz vorne mithalten kann, illustrierte Prof. Dietmar Eberle, be architects Holding AG, Lustenau AT, anhand des Low-Tec Hauses 2226, welches seit 2013 in Lustenau steht und ohne Heizung, mechanischer Lüftung oder Kühlung auskommt. Alles Stehende an diesem 6-geschossigen Bürogebäude sei aus Backsteinen gebaut – der Backstein hätte die tolle Eigenschaft, dass er Feuchtigkeit aufnehme und wieder abgebe und so zu einem angenehmen Wohnklima beitrage.
Den Abschluss des Referatezyklus machte Prof. Hartwig Stempfle, stempfle consulting GmbH, Zürich, mit aktuellen Inputs aus der Mauerwerksforschung. „Die Ziegel sind Hochleistungsathleten,“ führte Stempfle aus, ein Mauerwerk sei herstellungstechnisch eigentlich simpel, aber ansonsten ein sehr komplexer Baustoff, der auch Lösungen zur Erdbebensicherheit aufweise.

Backstein mit Potential
Im abschliessenden Podiumsgespräch waren sich die Referenten einig, dass das Potential des Backsteins noch längst nicht ausgeschöpft wäre. „Das Material hat Zukunft!“ war der Tenor der Gesprächsteilnehmenden.
Die Leidenschaft für den Backstein und das Mauerwerk war an der Tagung spürbar und muss nun noch nach aussen getragen werden, damit der Backstein auch in ferner Zukunft nicht nur seine tragende Rolle, sondern auch seine ästhetischen, natürlichen und nachhaltigen Trümpfe ausspielen kann.


Die Mauerwerkstagung 2019 findet am 17. Januar 2019 statt.